13. März – Ein Diplom-Restaurator gibt Einblick

| 13. März – Ein Diplom-Restaurator gibt Einblick

Die denkmalgeschützte Außenhülle der EASA-Direktion in Köln ist fachgerecht restauriert worden (STEIN April 2017). Eine wichtige Aufgabe kam hierbei dem Fachplanungsbüro LRP von Thomas Lehmkuhl zu. Im STEIN-Interview erläutert der Diplom-Restaurator sein interessantes Tätigkeitsfeld.

STEIN: Mit welchen Aufgaben und Projekten haben Sie als Diplom-Restaurator zu tun?

Lehmkuhl: Das Fachplanungsbüro LehmkuhlRestaurierungsPlanung (LRP) beschäftigt sich im Wesentlichen mit der Untersuchung und Sanierungsplanung denkmalgeschützter Bauwerke und Einzelobjekte. Hierbei lassen sich unsere Aufgaben in zwei Phasen unterteilen. Planungsphase I beinhaltet die Voruntersuchungen an Gebäuden und Einzelbauwerken zur Ermittlung des Erhaltungszustandes. Ebenso wie Probenentnahmen und naturwissenschaftliche Analysen. Wir erstellen Gutachten und Untersuchungsberichte, in denen die Ergebnisse der Voruntersuchungen dargestellt und die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen skizziert werden. Dabei werden auch mögliche Sanierungsvarianten aufgezeichnet und in ihren Konsequenzen bewertet. Auch erarbeiten wir erste, orientierende Kostenschätzungen.
In der Planungsphase II geht es um die Entwicklung objektspezifischer Sanierungskonzepte und Anlegen von Musterflächen. Für die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen erstellen wir die Ausführungsplanung, die Kostenberechnungen sowie gewerkebezogene Leistungsverzeichnisse. Während der Ausführung erfolgt die fachtechnische Begleitung und die Dokumentation der Sanierungsmaßnahme.

Welche Aufgaben hatten Sie bei der EASA-Direktion?

Unsere Aufgaben bezogen sich auf die Außenfassade und das historische Treppenhaus. Wir haben die gesamte Fassadensubstanz, Naturstein und Putzflächen, untersucht, sowie den Untersuchungsbericht erstellt und das Konzept für die sanierungstechnischen Maßnahmen formuliert. Das Konzept wurde mit den Projektbeteiligten, Bauherr und Stadtkonservator, abgestimmt. Anschließend wurden die Ausführungsplanung und das Leistungsverzeichnis zur Sanierung mit Kostenberechnung erstellt. Auch übernahmen wir die Fachbauleitung im Rahmen der Ausführung.
Im historischen Treppenhaus ist der denkmalwerte Bestand vor der Demontage aufgenommen und dokumentiert worden. Auch hier übernahmen wir die fachtechnische Beratung für die Instandsetzung und für den Wiederaufbau.

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Die EASA-Direktion in Köln ist nach dem Entwurf des Aachener Büros kadawittfeldarchitektur umgebaut worden. (Foto: Jens Kirchner)

In welchem Zustand befand sich die denkmalgeschützte Fassade vor Beginn der Arbeiten?

Es befanden sich extrem starke Verschmutzungen und Verkrustungen auf den Oberflächen der Natursteine sowie der Kunststeinputzflächen. Ebenso umfangreiche Rissbildungen und kriegsbedingte Brüche in Naturwerksteinen aus Muschelkalk, die nicht oder nur unzulänglich saniert waren. Außerdem mehrere Tausend alte Zementmörtelergänzungen einer Nachkriegssanierung, die formal und technologisch überwiegend unbefriedigend ausgeführt waren. Die Fugen waren desolat und es gab lokal starke Durchfeuchtungen des Mauerwerkes aufgrund der vorgenannten Substanzschäden. Zudem Rissbildungen und Hohlstellen in den Kunststeinputzflächen und lokal entfestigter Putz.

Welche Vorbereitungen oder Untersuchungen an der Fassade müssen vor dem Reinigen, Restaurieren und Sanieren erfolgen?

Es ist grundsätzlich zu empfehlen, zu Beginn einer Sanierungsmaßnahme eine umfassende Untersuchung der Substanz durchzuführen im Sinne einer intensiven Grundlagenermittlung. Wird dies unterlassen, besteht ein erhebliches Informationsdefizit zum Zustand eines Objektes und zu den tatsächlich erforderlichen Sanierungsmaßnahmen. Dies führt zu einer „substanzlosen“ Ausführungsplanung in deren Folge ungenaue oder falsche Leistungsverzeichnisse erstellt werden. Darüber hinaus kann keine gesicherte Kostenplanung abgeleitet werden.
Die vorbereitenden Untersuchungen sollten möglichst durch eine Befahrung oder von einem Gerüst aus erfolgen. Der versierte Fachplaner ist dann in der Lage die Flächen und die einzelnen Werksteine genau zu prüfen.
Darüber hinaus sind häufig weiterführende Materialuntersuchungen angezeigt in Form von Probenentnahmen, Materialanalysen und Mauerwerksuntersuchungen.
Die bei der Untersuchung ermittelten Kenndaten können in die gesamte weitere Sanierungsplanung einfließen, so dass objektspezifisch abgestimmte Sanierungskonzepte und Leistungsverzeichnisse zu allen Gewerken erstellt werden können. Daraus resultieren hohe Planungs- und Kostensicherheit.

Wie war der Zustand des historischen Treppenhauses und welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Die denkmalwerte Substanz des historischen Treppenhauses zeigte vielfache Veränderungen und Zutaten der Nachkriegssanierungen. Die Planung sah einen kompletten Rückbau der inneren Raumstruktur vor. Denkmalpflegerische Vorgabe war es, die denkmalwerte, bauzeitliche Substanz des historischen Treppenhauses überwiegend zu erhalten und in den Teilen exakt nach historischem Vorbild zu rekonstruieren, wo ein schadensfreier Rück- und Wiedereinbau nicht möglich war. Dazu war es erforderlich, alle baulichen Details sehr genau zu dokumentieren und aufzumessen. Die Teile wurden in speziellen Verfahren vorgesichert, demontiert und eingelagert. Der Wiederaufbau und die Rekonstruktion fehlender oder schadhafter Teile erfolgte sukzessiv mit dem Entstehen der neuen Raumstrukturen.

Gab es unvorhergesehene Probleme oder besondere Herausforderungen bei diesem Projekt?

Aufgrund der intensiven Voruntersuchungen und Grundlagenermittlungen traten im gesamten Bauablauf keine Probleme bei den restauratorisch geprägten Sanierungsmaßnahmen auf. Die besonderen Herausforderungen bestanden primär in logistischen und terminlichen Zwängen, bedingt durch die enge Terminplanung und die zwingend erforderliche Koordination mit den anderen Gewerken. Dadurch bedingt konnten die einzelnen Fassadenabschnitte nicht systematisch und nicht konsequent in allen Bearbeitungsschritten sanierungstechnisch bis zur letzten Einzelmaßnahme bearbeitet werden. Die ausführende Firma musste deshalb häufig die Einsatzorte wechseln, da anderen Gewerken zu bestimmten Zeitpunkten Vorrang eingeräumt wurde. Erst nach der Montage der neuen Fenster war eine kontinuierliche Bearbeitung größerer Fassadenabschnitte möglich.

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2017-03-20T09:39:50+00:00
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